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Wer tatsächlich zurücktreten sollte

Am vergangenen Samstag stand der US-Präsident vor dem Weissen Haus und forderte, die Ukraine solle sich einen neuen Präsidenten suchen. Wolodymyr Selenskyj, so Trump, sei das Hindernis für einen Frieden mit Russland – und ausserdem schuld an den Rekord-Dieselpreisen in den USA [1-3]. Eine bemerkenswerte Forderung. Ein Muster der Schuldumkehr In der aktuellen US-Politik zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Erst wird durch eigenes Handeln ein Schaden mitverursacht, dann wird die Schuld dafür anderen zugeschoben. Im Nahen Osten beginnt es mit dem Krieg in Gaza. Israel führte ihn seit Oktober 2023 mit massiver Unterstützung der USA – allein bis September 2025 mit Militärhilfe im Umfang von mindestens 21.7 Milliarden Dollar [4]. Ende Februar 2026 begannen die USA und Israel schliesslich einen Krieg gegen den Iran [5]. Die ganze Region wurde dadurch weiter destabilisiert. Ja, das iranische Regime ist brutal: Bei der Niederschlagung der Proteste 2025 und 2026 wurden nach Schätzungen...

Mental Load – muss nicht sein

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Er wird oft als grosses Übel in Beziehungen diskutiert: die unsichtbare Last, die vor allem Frauen tragen – der Mental Load. Das Patriarchat sei schuld und Männer zu faul, um Verantwortung zu übernehmen. So einfach ist es nicht. In meiner eigenen Beziehung habe ich erlebt, dass Verantwortung ungleich verteilt wird, wenn Vertrauen fehlt. Wer alles selber kontrolliert, trägt die Last automatisch allein – selbst wenn der Partner bereit ist, seinen Teil zu übernehmen. Mental Load wird demnach durch das eigene Verhalten mitverursacht. Geteilte Verantwortung heisst anzuerkennen, dass in einer Zweierbeziehung nicht mehr als 50% pro Person vorhanden sind. Wer mehr für sich in Anspruch nimmt, tut das auf Kosten des Partners! Seit unserer Trennung vor über fünf Jahren und der Einführung des Nestmodells hat sich das Problem entschäft. Durch die zeitliche Aufteilung trage ich jeweils die volle Verantwortung in meinem Abschnitt. Da ich bereit bin, dass Dinge auch schiefgehen dürfen, kann ich sogar ...

„Tax us!“

Unerwarteter Aufruf der Vermögenden am WEF Laut einem Bericht im Tages-Anzeiger haben am diesjährigen World Economic Forum in Davos fast 400 Millionäre und Milliardäre höhere Steuern auf grosse Vermögen gefordert [1]. Die Botschaft ist bemerkenswert: Nicht soziale Bewegungen von aussen, sondern Vermögende selbst rufen politische Entscheidungsträger dazu auf, sie stärker zur Finanzierung des Gemeinwohls heranzuziehen. Der offene Brief im Rahmen der Initiative Proud to Pay More [2] bringt es auf den Punkt mit der einfachen Forderung „Tax us!“. Die Unterzeichnenden argumentieren, dass höhere Steuern auf extreme Vermögen weder ihren Lebensstandard substanziell gefährden noch wirtschaftliches Wachstum bremsen würden, sondern stattdessen Mittel für grundlegende öffentliche Aufgaben bereitstellen könnten. Diese Aktion ist Teil einer grösseren Debatte über wachsende Vermögensungleichheit, bei der immer deutlicher wird, wie stark Reichtum in den Händen weniger konzentriert ist und wie wenig ...

Schweiz auf Klimakurs?

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Mit einem Klimafonds sofort Netto-Null erreichen Die Diskussion um einen Schweizer Klimafonds von 4-8 Milliarden Franken pro Jahr wirkt hoch – doch ein genauerer Blick zeigt: dieser Betrag ist genau das, was nötig wäre, um die Schweiz klimaneutral im Sinne des Pariser Abkommens zu machen. Würde der Fonds konsequent eingesetzt, könnte die Schweiz formal sofort auf Netto-Null kommen und damit ein starkes Signal an die Welt senden. Betrachten wir die grössten persönlichen Klimasünden: Der Fleischkonsum in der Schweiz liegt bei rund 450 kt pro Jahr, während die Planetary Health Diet (PHD) nur etwa 150 kt vorsieht. Die Differenz von 300 kt Fleisch verursacht zusätzliche CO₂-Emissionen von mindestens 1.5 mt CO₂. Gemeinsam mit dem Flugverkehr aus der Schweiz (5 mt CO₂) sind das jährlich 6.5 mt CO₂. Bei einem CO₂-Preis von 80 CHF pro Tonne würde die Rücklage für diese beiden Bereiche 0.5 Mrd CHF pro Jahr betragen; bei 200 CHF/t steigt sie auf 1.3 Mrd CHF. Ein moderater Klimafonds von 2 Mrd CHF...

Wesenscharakter

Wenn dein Wesen unabhängig der Dualität existiert – quasi ausserhalb von Raum und Zeit – spielen solche Dimensionen keine Rolle. Klein/gross, kurz/lang – alles Illusion. Du bleibst verbunden und bist wahrhaftig Teil von allem und nichts. Dieser Gedanke als Prompt führte zu einer kurzen Diskussion [1] mit folgender Erkenntnis: Wenn das stimmt, dann ist Lernen weniger Akkumulation und mehr Feinjustierung . Nicht „mehr wissen“, sondern „klarer schwingen“. --- [1] Dialog mit ChatGPT

Das richtige Mass an Trägheit

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In unserer heutigen Zeit scheint alles immer schneller zu werden. Informationen verbreiten sich in Sekunden, politische Diskussionen eskalieren viral, Krisen erfordern rasche Entscheidungen. Angesichts dieser Dynamik drängt sich eine Frage auf: Über wie viel Trägheit sollte eine Demokratie verfügen? Trägheit als Schutzmechanismus Trägheit hat einen überraschend positiven Aspekt. Sie wirkt wie ein Dämpfer für radikale Impulse, filtert überhastete Entscheidungen und schützt das System vor extremistischen Kräften. In turbulenten Zeiten – sei es das Aufkommen radikaler Bewegungen oder der Druck schneller politischer Lösungen – sorgt Trägheit dafür, dass nicht jede Laune oder jeder Populismus sofort in Gesetzesform gegossen wird. Sie verschafft Zeit für Reflexion, Abwägung und den notwendigen Diskurs. In dieser Hinsicht ist Trägheit kein Hindernis, sondern ein Schutzmechanismus, der Stabilität schafft und Vertrauen in Institutionen ermöglicht. Gleichzeitig kann zu viel Trägheit lähmen. Sie ...

Jenseits der Knappheit – ein Gegen-Narrativ

Die moderne Ökonomik beginnt oft mit einem Satz, der uns tief prägt: Knappheit. Unbegrenzte Bedürfnisse treffen auf begrenzte Ressourcen – so lautet das vertraute Axiom. Daraus entstehen Effizienzdenken, Wettbewerb, Wachstum und Verteilungskonflikte. Dieses Modell ist analytisch nützlich, doch es ist mehr als Theorie: Es ist ein Weltbild, das unsere Wahrnehmung formt. Wer die Welt primär als knapp denkt, beginnt sie auch so zu gestalten. Knappheit als Erzählung Knappheit ist nicht immer naturgegeben. Wohnungsknappheit existiert neben Leerstand, Armut neben Überproduktion, Wissensdefizite neben frei verfügbarem Wissen. Oft ist Knappheit das Ergebnis von institutionellen Arrangements, Eigentumsformen und Anreizsystemen. Sie ist kein Naturgesetz, sondern ein Hinweis auf Gestaltungsmöglichkeiten. Wer diesen Kontext ausblendet, nimmt die Welt als unveränderlich wahr und reproduziert ein überholtes Narrativ. Möglichkeit statt Mangel Statt Wirtschaft als Verwaltung von Mangel zu verstehen, kö...